Emily Dickinson

18301886 · US-amerikanisch

Emily Dickinson (1830–1886) war eine US-amerikanische Dichterin aus Amherst, Massachusetts. Zu Lebzeiten blieb ihr Werk fast unveröffentlicht; erst nach ihrem Tod entdeckte man rund 1.800 Gedichte, die sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der amerikanischen Literatur machten. Ihre Verse zeichnen sich durch ungewöhnliche Zeichensetzung (Gedankenstriche), verdichtete Sprache und Themen wie Tod, Natur, Hoffnung und die innere Welt aus.

11 Zitate

„Hoffnung“ ist das Ding mit Federn – das in der Seele hockt – und die Melodie ohne Worte singt – und nie – ganz aufhört – Und am süßesten – im Sturm – ist sie zu hören – und heftig muss das Unwetter sein – das den kleinen Vogel verstören könnte, der so viele wärmte – Ich hörte sie im kältesten Land – und auf der fremdesten See – Doch – nie – in der größten Not – bat sie mich – um ein Krümchen.

Original (en): “"Hope" is the thing with feathers - That perches in the soul - And sings the tune without the words - And never stops - at all - And sweetest - in the Gale - is heard - And sore must be the storm - That could abash the little Bird That kept so many warm - I've heard it in the chillest land - And on the strangest Sea - Yet - never - in Extremity, It asked a crumb - of me. · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht Fr314 (Franklin-Zählung); zuerst veröffentlicht als "Hope" in Poems: Second Series (1891); Text nach Poetry Foundation / Franklin-Edition
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Weil ich nicht anhalten konnte für den Tod – hielt er freundlich an für mich – die Kutsche fasste nur uns selbst – und die Unsterblichkeit. Wir fuhren langsam – er kannte keine Eile, und ich hatte beiseitegelegt meine Arbeit und auch meine Muße, für seine Höflichkeit – Wir kamen an der Schule vorbei, wo Kinder sich mühten in der Pause – im Kreis – wir kamen an Feldern von starrendem Korn vorbei – wir kamen an der untergehenden Sonne vorbei – Oder eher – er kam an uns vorbei – der Tau zog fröstelnd und kühl herauf – denn nur aus Gaze war mein Kleid – mein Umhang – nur aus Tüll – Wir hielten vor einem Haus, das schien eine Schwellung im Boden zu sein – das Dach war kaum zu sehen – das Gesims – im Erdreich – Seitdem – sind es Jahrhunderte – und doch fühlt es sich kürzer an als der Tag, an dem ich zuerst ahnte, dass die Köpfe der Pferde der Ewigkeit zugewandt waren –

Original (en): “Because I could not stop for Death — He kindly stopped for me — The Carriage held but just Ourselves — And Immortality. We slowly drove — He knew no haste And I had put away My labor and my leisure too, For His Civility — We passed the School, where Children strove At Recess — in the Ring — We passed the Fields of Gazing Grain — We passed the Setting Sun — Or rather — He passed Us — The Dews drew quivering and Chill — For only Gossamer, my Gown — My Tippet — only Tulle — We paused before a House that seemed A Swelling of the Ground — The Roof was scarcely visible — The Cornice — in the Ground — Since then — 'tis Centuries — and yet Feels shorter than the Day I first surmised the Horses' Heads Were toward Eternity — · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht Fr479 / J712; Erstveröffentlichung postum unter dem Titel "The Chariot" in Poems: Series One (1890); hier zitiert in originalgetreuer Fassung mit Gedankenstrichen
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Ich bin Niemand! Wer bist du? Bist du – auch – Niemand? Dann sind wir ja ein Paar! Sag nichts! sie würden es überall erzählen, weißt du! Wie trostlos – Jemand – zu sein! Wie öffentlich – wie ein Frosch – den eigenen Namen zu rufen – den lieben langen Juni – vor einem bewundernden Sumpf!

Original (en): “I'm Nobody! Who are you? Are you – Nobody – too? Then there's a pair of us! Don't tell! they'd advertise – you know! How dreary – to be – Somebody! How public – like a Frog – To tell one's name – the livelong June – To an admiring Bog! · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht Fr260 / J288, Erstveröffentlichung in Poems: Second Series (1891)
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Die Seele wählt sich ihre eigene Gesellschaft — dann — schließt sie die Tür — ihrer göttlichen Mehrheit — zeigt sich nicht mehr — Unbewegt — bemerkt sie die Kutschen — die innehalten — an ihrem niedrigen Tor — unbewegt — mag ein Kaiser knien auf ihrer Matte — Ich habe sie gekannt — aus einem weiten Volk — sie wählt Eine — dann — schließt sie die Ventile ihrer Aufmerksamkeit — wie Stein —

Original (en): “The Soul selects her own Society — Then — shuts the Door — To her divine Majority — Present no more — Unmoved — she notes the Chariots — pausing — At her low Gate — Unmoved — an Emperor be kneeling Upon her Mat — I've known her — from an ample nation — Choose One — Then — close the Valves of her attention — Like Stone — · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J303 (Johnson-Zählung); um 1862 entstanden
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Erfolg wird am süßesten geachtet von denen, die ihn nie erringen. Um einen Nektar zu begreifen, bedarf es bitterster Not. Keiner der ganzen purpurnen Schar, die heute die Fahne erobert hat, kann die Bedeutung des Sieges so klar bestimmen wie er, besiegt – sterbend – auf dessen verwehrtem Ohr die fernen Klänge des Triumphes zerrissen und klar erklingen.

Original (en): “Success is counted sweetest By those who ne'er succeed. To comprehend a nectar Requires sorest need. Not one of all the purple Host Who took the Flag today Can tell the definition So clear of victory As he defeated – dying – On whose forbidden ear The distant strains of triumph Burst agonized and clear. · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht Fr112; postum veröffentlicht in Poems: Series One (1890)
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Es gibt keine Fregatte wie ein Buch, um uns in ferne Länder zu tragen, noch Rösser wie eine Seite tänzelnder Poesie. Diese Reise kann selbst der Ärmste machen, ohne die Last eines Zolls; wie genügsam ist der Wagen, der eine Menschenseele trägt!

Original (en): “There is no frigate like a book To take us lands away, Nor any coursers like a page Of prancing poetry. This traverse may the poorest take Without oppress of toll; How frugal is the chariot That bears a human soul! · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J1263, veröffentlicht als "A Book", Section XVI, in Poems: Third Series (1896), S. 29
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Die Ewigkeit besteht aus Jetzt – sie ist keine andere Zeit, außer durch Unendlichkeit und die Weite der Heimat. Nimm, ausgehend von hier, dem Erlebten, die Daten fort zu jenen, lass Monate in weiteren Monaten zergehen, und Jahre in Jahren verhauchen. Ohne Urkunde oder Pause oder gefeierte Tage, wären unsere Jahre so unendlich wie die des Anno Domini.

Original (en): “FOREVER is composed of Nows— 'T is not a different time, Except for infiniteness And latitude of home. From this, experienced here, Remove the dates to these, Let months dissolve in further months, And years exhale in years. Without certificate or pause Or celebrated days, As infinite our years would be As Anno Domini's. · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J624 / Fr690, veröffentlicht in Further Poems of Emily Dickinson (1929)
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Ein schmaler Geselle im Gras reitet gelegentlich vorbei; du bist ihm vielleicht begegnet, — nicht wahr? — sein Erscheinen ist jäh. Das Gras teilt sich wie von einem Kamm, ein gesprenkelter Schaft wird sichtbar; dann schließt es sich zu deinen Füßen und öffnet sich weiter vorn. Er mag einen sumpfigen Grund, einen Boden, zu kühl fürs Korn. Doch als Kind, barfuß, hab ich mehr als einmal, am Morgen, geglaubt, eine Peitschenschnur löse sich auf in der Sonne, — als ich mich bückte, sie zu greifen, ringelte sie sich und war fort. Manche von der Natur Geschöpfe kenne ich, und sie kennen mich; ich empfinde für sie eine herzliche Zuneigung; doch diesem Gesellen begegnet, allein oder in Gesellschaft, nie ohne knapperen Atem und Kälte bis auf die Knochen.

Original (en): “A NARROW fellow in the grass Occasionally rides; You may have met him,—did you not, His notice sudden is. The grass divides as with a comb, A spotted shaft is seen; And then it closes at your feet And opens further on. He likes a boggy acre, A floor too cool for corn. Yet when a child, and barefoot, I more than once, at morn, Have passed, I thought, a whip-lash Unbraiding in the sun,— When, stooping to secure it, It wrinkled, and was gone. Several of nature's people I know, and they know me; I feel for them a transport Of cordiality; But never met this fellow, Attended or alone, Without a tighter breathing, And zero at the bone. · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J986 / Fr1096, veröffentlicht als "The Snake", Poems: Second Series (1891)
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Nicht wissend, wann die Morgendämmerung kommt, öffne ich jede Tür; hat sie wohl Federn wie ein Vogel, oder Wellen wie ein Ufer?

Original (en): “NOT knowing when the dawn will come I open every door; Or has it feathers like a bird, Or billows like a shore? · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J1619, veröffentlicht als "Dawn", Section VII, in Poems: Third Series (1896), S. 109
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Kann ich ein Herz vorm Brechen bewahren, werde ich nicht umsonst gelebt haben; kann ich einem Leben den Schmerz lindern, oder eine Pein kühlen, oder einem hinfälligen Rotkehlchen helfen zurück in sein Nest, werde ich nicht umsonst gelebt haben.

Original (en): “If I can stop one heart from breaking, I shall not live in vain; If I can ease one life the aching, Or cool one pain, Or help one fainting robin Unto his nest again, I shall not live in vain. · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J919 / Fr982, Section VI, veröffentlicht in Poems: Series One (1890)
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Mein Fluss läuft zu dir: blaues Meer, willst du mich willkommen heißen? Mein Fluss wartet auf Antwort. Oh Meer, blicke gnädig! Ich will dir Bäche bringen aus verborgenen Winkeln, — sag, Meer, nimm mich!

Original (en): “My river runs to thee: Blue sea, wilt welcome me? My river waits reply. Oh sea, look graciously! I'll fetch thee brooks From spotted nooks,— Say, sea, take me! · eigene Übersetzung

Emily DickinsonPrimärquelle: Gedicht J162, veröffentlicht als "The Outlet", Section XI, in Poems: Series One (1890)
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